Welche Aufgaben übernimmt ein/e Betriebshelfer/in alles?

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    Bericht: aus Lucia's Tagebuch

    Es ist halb fünf Uhr nachmittags, Zeit sich auf den Weg zu machen. Heute darf ich bei einer jungen Betriebshelferin einen Blick in den Kuhstall werfen. Für mich das erste Mal, für Carolin, welche vor zwei Jahren die Ausbildung zur Landwirtin EFZ erfolgreich abgeschlossen hatte, natürlich nicht. Momentan arbeiten wir beide im Büro des Maschinenrings Ostschweiz.

    Stiefel anziehen, sich beim Betriebsleiter Martin melden und ab geht’s zu den Kühen. Warum kümmert sich Martin nicht selbst um den Stall, warum braucht er dazu schlagartig einen Betriebshelfer? Er erzählte auf meine Nachfrage, dass es vor sechs Wochen passierte, im Turnverein. Bei einem schnellen Ballspiel, ohne Voranzeichen, plötzlich hörte er einen «Chlapf». Der Arztbesuch brachte dann die Hiobsbotschaft hervor: rechte Achillessehne gerissen, arbeitsunfähig. Uff, was für eine Nachricht…sofort begann es im Kopf von Martin zu rattern: «Und mein Hof, meine 20 Kühe und Rinder, die Grüngutverwertung etc? Was mach ich, wenn ich nicht einmal mehr Gehen kann? Und wie lange?» «Zwei bis drei Monate», meinte der Arzt, «je nach Entwicklung.»

    «Am gleichen Tag abends um 22 Uhr rief ich einen Bekannten an, welcher ab und zu für mich melkte und frag ihn, ob er übernehmen könnte» berichtet der betroffene Landwirt. Natürlich war es für den Bekannten auch nicht möglich, die komplette Arbeit zu übernehmen, er hat schliesslich noch andere Jobverpflichtungen. Somit war klar, dass Martin noch eine alternative Lösung benötigte. Alle Mitglieder beim Maschinenring Ostschweiz können im Notfall einen Betriebshelfer zu Vorzugskonditionen anfragen. «Jedenfalls hoffte ich jemanden kurzfristig zu bekommen», sagte Martin. Er hatte Glück, und am nächsten Tag stand abends bereits die 21-jährige Carolin auf dem Hof und meldete sich zum Einsatz als Betriebshelferin.

    Es ist nicht immer einfach, so kurzfristig eine Aushilfe zu organisieren. Der Maschinenring verfügt leider nicht über eine endlose Angestelltenliste, die er beliebig einsetzen kann. Manch einer kann nur vormittags einspringen, ein anderer nur am Wochenende, einer will nur wochenweise, andere nur für einzelne Stunden, der einte ist sich unsicher beim Melkroboter, ein anderer hat angst vor Gänsen. Es sind viele Faktoren, die mitspielen müssen, dass es bei einer Betriebshelferanfrage zu einer richtig gut passenden Zusammenarbeit kommt.

    Seitens Betriebshelfer/in ist ziemlich viel Flexibilität gefordert. Carolin arbeitet zum Beispiel Vollzeit im Büro und kümmert sich dort u.a. um Güko-Anfragen, Betreuung der Bonuspartner und Erstellung der Aktionen sowie der Maschinenring Mitgliederverwaltung. Bei der Anfrage von Martin hatten wir gemäss unserer Personalabteilung einen Engpass an verfügbaren Betriebshelfer und so kam Carolin zum Zuge. Was eher ungewöhnlich ist. Sie ist ja noch jung, werden sich einige denken. Genau, und deshalb hat sie diese Aufgabe auch mit Spannung angenommen und ist tagsüber im Büro und macht sich abends auf den Weg zu den Kühen von Bauer Martin. Lange Arbeitstage ist sie sich aus der Lehrzeit auch gewohnt und sie liebt es zudem, wieder mal an der frischen Luft zu arbeiten.

    Blick in den Kuhstall

    Wir betreten also den Stall, die Kühe liegen noch gemütlich in ihren Boxen und kauen wahrscheinlich noch am Mittagessen rum. «Zeit zum Milch abgeben», ruft Carolin den gemütlichen Damen zu und scheucht sie Richtung Melkstand.

    Der Melkstand ist als sogenannter «Fischgrat» angeordnet, vier Plätze auf beiden Seiten. Während die Betriebshelferin alles vorbereitet, frage ich genau nach, was sie da macht und vor allem auch warum. «Für was brauchst du so eine riesige Spritze?» frage ich mit grossen Augen. «Eine Kuh hat eine leichte Verletzung am Euter, welche wir so täglich desinfizieren», erklärte Carolin. «Tut denn das nicht weh?» Meine Kollegin beschwichtigt: «Nein, die Kuh bleibt ganz ruhig dabei und sie gibt weiterhin eine Top-Milchleistung. Das ist ein gutes Zeichen. Wir müssen die Verletzung einfach weiterhin regelmässig desinfizieren, damit sie sich nicht entzünden kann».

    Dann geht’s los, Lockfutter in die Tröge, Gatter auf und die ersten vier Kühe sind im Anmarsch. Zitzen «anrüsten», Euter mit einem Tuch reinigen und während Carolin die Melkmaschinen startet, geniessen die Kühe ihren «Apérosnack», bevor sie danach draussen ihr geliebtes frisches Heu fressen dürfen. Der Lärm im Melkstand ist beträchtlich, aber ich seh ja selbst, was jetzt passiert. Die Milch fliesst aus den Melkbechern über die Milchschläuche in den Milchtank. Von dort wird die Milch in den Milchkühltank gepumpt. Dort wird sie dann gekühlt und bis zum Transport in die Käserei zur Weiterverarbeitung gelagert. Dieser Ablauf wiederholt sich jetzt ein paar Mal, bis alle Kühe durch sind. Bei der letzten Kuh namens Arboja reizt es mich dann doch, es selber mal auszuprobieren. Die arme Arboja, jetzt musste sie schon so lange warten und bekommt nun noch eine Anfängerin vorgesetzt… Aber dank der guten Anleitung meiner «Lehrerin» klappte das Melken auf Anhieb und wir waren beide zufrieden.

    Carolin hat inzwischen drei Eimer mit frischer Milch separiert, weil wir nun die drei Kälber tränken gehen. Und da ist er, der Flashback in die Kindheit, die Erinnerung als ich in der Käserei im Dorf mit einem kleinen Milchkanteli frische Milch abholen durfte: frische Milch ist nämlich noch warm und riecht einfach unheimlich lecker! Kein Vergleich zum Tetrapak aus dem Supermarkt. Auf diesem Betrieb gibt es sogar einen Milchautomaten, bei welchem sich die Dorfbewohner rund um die Uhr ihre frische Milch in ein eigenes Gefäss abfüllen können.

    Wie sich ein Melkstand reinigt

    Die Kälber saugen um die Wette, man könnte meinen, sie sind am Verhungern. Drinnen hat Carolin die automatische Reinigung der Melkmaschine eingestellt. «Automatisch?» fragte ich überrascht. «Na klar, da läuft einmal Warmwasser zum Vorspülen, dann heisses Wasser mit Säure oder Lauge und zum Schluss ein Kaltwasser Waschgang durch die Rohre, Schläuche und Behälter, damit alles schön sauber und hygienisch einwandfrei für den nächsten Tag ist.» erläuterte mir unsere Betriebshelferin. Oh wow, und ich dachte schon, da müsse man alles in seine Einzelteile auseinandernehmen und von Hand reinigen. Handarbeit gibt es auf einem Hof allemal noch genug. Carolin reinigt den Melkstand, Vorplatz und den Milchautomaten und natürlich hat sie während die Kühe am Heu fressen sind, bereits die Boxen mit neuem Streu belegt und den Mist in die Spalten geschoben.

    Ich bin beeindruckt, sie erledigt die Arbeiten mit einer Selbstverständlichkeit und Routine, als wäre dies ihr eigener Hof. Carolin ist mit Leidenschaft bei der Hofarbeit und ich sehe ihre Freude dabei. Als ich bei Bauer Martin nachfragte, ob er nicht erstaunt war, so eine junge Aushilfe zu bekommen, lachte er: «Nein gar nicht, Carolin macht ihre Aufgabe sehr gut und hat sich äusserst schnell eingelebt. Ich bin auch sehr dankbar über ihre Flexibilität, manchmal hilft sie auch morgens spontan aus oder erledigt noch einen Spezialauftrag. Ich prüfe regelmässig die Milchproben und ob sich die Tiere wohlfühlen - und beides ist tiptop!»

    Ein Betriebshelfer wird bei einem Notfall hinzugezogen. Aber auch bei Spitzenzeiten kann eine Unterstützung beim Maschinenring angefragt werden. Warum auch nicht mal eine Ferienaushilfe? Wer sagt denn, dass eine Bauerfamilie kein Anrecht auf Ferien hat? Für Martin ist diese Dienstleistung nicht mehr wegzudenken, nicht nur im Notfall. Er ist sicher, dass er auch in Zukunft bei Bedarf einen Maschinenring Betriebshelfer bestellen würde. «Für mich ist die Sicherheit, meine Tiere gut versorgt zu wissen, das Wichtigste. Die Anpassungsfähigkeit des Maschinenrings ist dabei sehr grosszügig. Ich bezahle jetzt stundenweise und nur das, was ich brauche. Wo sonst hat man diese Freiheit? Der Preis ist daher für mich äusserst gerechtfertigt» betonte Bio-Landwirt Martin.

    Nach dem Aufräumen helfe ich Carolin die Kühe für die Nacht auf die Weide zu bringen. Jeder Handgriff sitzt, damit keine ausbüxt und Saskia, Nika, Ravira, Elba, Arboja und wie sie alle heissen schlendern gemütlich vom Stall auf die angrenzende Wiese. Zum Schluss setzt sich die junge Betriebshelferin in den Heukran, um das «Frühstück» für die Milchkühe für den nächsten Tag vorzubereiten. Nach zwei Stunden ist die Arbeit getan, der Einsatz zu ende. Wir schauen uns an, lächeln dabei und ich bedanke mich bei Carolin, dass ich heute einen Einblick in den Melkstand und die Arbeit als Betriebshelfer/in gewinnen durfte.

    Eure Lucia

    Interessiert und flexibel genug, um auch mal als offizieller Betriebshelfer/in beim Maschinenring einzuspringen? Dann melden Sie sich bei uns! Wir sind laufend auf der Suche nach gelernten Landwirten/innen und froh, unsere Mitglieder bei kurzfristigen Anfragen unterstützen zu können. Kontakt: 052 369 50 43