Humuswirtschaft – Ernährungssicherheit für die Zukunft
Unter dem Slogan «speichert der Boden Wasser, wächst Zukunft» lud die Bionika AG am 22. August 2026 zum Anlass «Humuswirtschaft als Methode erleben» auf den Hof Oberbösch in Hünenberg ein.
Mutige Umstellung auf Humuswirtschaft führt zu weniger Trockenheitsstress
Philipp Hegglin vom Hof Oberbösch hatte den Hof 2007 übernommen und schilderte in berührend ehrlichen Worten, wie er den gängigen Beratungsvorschlägen willig gefolgt sei und seinen Hof auf maximale Leistung getrimmt habe. Dies mittels grösstmöglicher Milchmenge von 50 Kühen, innerer Aufstockung mit 200 Schweinemastplätzen und damit unweigerlich verbundenem Hilfsmitteleinsatz. «Doch dann, als alles am oberen Limit lief, fehlte mir plötzlich die Freude so weiter zu wirtschaften, und dies trotz Auszeichnungen und Erfolgen. Ich merkte, wie kohlenstoffarme und stickstoffreiche Düngung zu Humusabbau führte.» In der Folge besuchte er Kurse für Humusmanagement und regenerative Landwirtschaft. Er war offen für Neues, wollte wegkommen aus den Abhängigkeiten von fremden Hilfsmitteln und aussteigen aus der reinen Symptombekämpfung.
Vor acht Jahren entschied er sich zu einem radikalen Schritt und legte den Fokus auf gezielten Humusaufbau und gleichzeitig darauf, den Einsatz zugekaufter Hilfsmittel herunterzufahren und die eigenen Hofdünger fäulnisfrei aufzubereiten. Seit Anfang 2020 betreibt er Milchwirtschaft ohne Einsatz von Kraftfutter. Die Kuhgülle wird frisch aus dem Querkanal separiert. Den Festanteil verwandelt Philipp Hegglin über die aerob gelenkte Kompostierung in krümeligen Humuskompost. Die Umstellung des Betriebssystems weg von abbauenden in aufbauende Prozesse sei vor allem technisch herausfordernd gewesen, erläuterte Hegglin. Umso erfreulicher: die sonst übliche Ertragsdepression nach der Umstellung auf Biolandbau war kaum spürbar. Etwa 1.5 GVE/ha seien dabei ideal, damit die Kreislaufwirtschaft funktioniere.
Das Erstaunliche: auch dieses Jahr mit der extremen Trockenheit und somit Stress für die Pflanzen gibt es nicht weniger Ertrag als andere Jahre. Im Gegenteil: gross mit sattgrünen, breiten Blättern und voll ausgefüllten Kolben stand der Mais! Die Kunstwiesen mit Luzerne oder Teffgras liefern schöne Erträge. Einzig das Weiden musste auch eingestellt werden. Mit der Gewissheit funktionierender Beispiele fordert Philipp Hegglin dazu auf, den Mut zu haben, auf eigenen Beinen zu stehen. Damit ist gemeint, nährstoffautark zu sein, das Potenzial der eigenen Hofdünger wertzuschätzen und sie humusaufbauend im eigenen Kreislauf einzusetzen, also zum Beispiel keinen Kunstdünger oder Futtermittel mehr zuzuführen. Dabei ist die biologische Vielfalt über und im Boden das A und O einer ganzheitlichen Bewirtschaftung.
Präsentation Humuswirtschaft – Bodenentwicklung
Bei weiteren Fragen steht Fredy Abächerli vom Maschinenring Zuger Berggebiet gerne zur Verfügung.
